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Kamen Magazin, 02/04

Kein Ekel vorm Blutegel

In der Naturheilkunde werden bekanntlich alternative
Wege zur Behebung eines Leidens gegegangen. In Kamen Methler können
Heilsuchende seit November letzten Jahres Blutegel auf schmerzende
Körperstellen setzen lassen , um den Schmerz förmlich
wegsaugen zu lassen. Beim Mini-Aderlass werden zwar ein paar Milliliter
Blut geopfert, doch die Heilungserfolge sind laut Heilpraktiker
Daniel Niehues erstaunlich gut.
Wenn Sie sich nicht gerade am Körper eines Patienten den Magen
voll schlagen, hängen sie am liebsten faul im Wasserglas herum,
der Hinterteil fest an die Glaswand gesaugt. Blutegel gehören
neben Spinnen, Schlangen und Insekten zu den von Menschen nur wenig
geliebten Spezies im Tierreich. Aber sie können für Menschen
sehr nützlich sein. Blutegel fördern die Durchblutung.
Die Anwendungsgebiete der kleinen Spezialisten reichen heute von
chronischen körperlichen Schmerzen wie Rheuma und Muskelverspannungen
bis zu Furunkeln, Gürtelrose, Tinnitus oder Thrombosen.
"Man kann sie auch als lebende Apotheke bezeichnen", erklärt
Niehues, während er sich gerade einen seiner medizinischen
Helfer auf die Hand legt. Dort angekommen verscuht der kleine Blutsauger
instinktiv, seine rasiermesserscharfen Beißwerkzeuge einzusetzen
- jedoch ohne Erfolg. "Die Haut in der Handinnenfläche
ist zu dick, da kommen sie nicht durch", meint der Heilpraktiker.
Abgesehen von Regionen mit markanter Hornhaut können sich die
Egel an jeder Stelle des Körpers festsaugen. In der Behandlung
werden sie vorzugsweise an traditionellen Punkten der Reflexzonentherapie
oder direkt auf der schmerzenden Stelle angesetzt. Mit seinen sternenförmigen
Kiefern durchschneidet er die Haut und saugt seinem menschlichen
Wirt bis zu [10] Milliliter Blut aus dem Körper. "Ein
wahres Festmahl für die Blutegel", sagt Daniel Niehues.
Schmerzen verspüre der Patient dabei nicht: "Es fühlt
sich am Anfang so ähnlich an wie bei einer Brennessel, die
über die Haut gestrichen wird. Danach merkt man gar nichts
mehr." Die kaum sichtbare Wunde [
] blutet anschließend
noch einige Stunden nach. Insgesamt verliert der Patient pro angesetzten
Blutegel noch einmal ca. 50 Milliliter Lebenssaft. Angesichts der
5 bis 8 Liter Blut, die im menschlichen Körper ließen,
eine verschwindend geringe Menge. Zum Vergleich: bei einer Blutspende
werden in der Regel 500 Milliliter entnommen. Nach durchschnittlich
2 Stunden ist der Blutegel satt und fällt ab. Erstaunlich:
die Sättigung des sichtbar dicker gewordenen Egels hält
bis zu 2 Jahren an. Damit ist auch das Risiko einer Krankheitsübertragung
ausgeschlossen, denn jeder "verbrauchte" Blutegel wird
nach seinem Einsatz dorthin geschickt, wo er herkam: zur Blutegelfarm
nach [Biebertal].
Die heilende Wirkung einer Blutegeltherapie resultiert nach Niehues
aus der geförderten Durchblutung in der Bissregion: "Der
Speichel des Egel, das so genannte Salvia ist keimfrei und absolut
gesundheitsfördernd. Er enthält gefäßerweiternde
und gerinnungshemmende Stoffe. Durch das Ausbluten gelangt frisches
Blut in die betroffene Region und fördert den Selbstheilungsprozess."
Eine Egel-Behandlung kostet um die 30 bis 40 Euro. Wie viele andere
naturheilkundliche Heilmethoden wird auch die Blutegeltherapie von
keiner gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Ledigliche private
Kassen haben die Methode mit in ihr Leistungsrepertoire aufgenommen.
Der medizinische Einsatz von Blutegeln hat eine lange Tradition.
Bei den Germanen wurde das Wort "Blutegel" nahezu synonym
mit dem Wort "Heiler" verwendet. Im englischen Mittelalter
nannte man Heiler "leecher", was auf das englische Wort
"leech" für Blutegel zurückgeht. Auch der biologische
Name des Blutegels, Hirudo medicinalis, weist auf die uralte Heiltradition
hin. Mitte des 19. Jahrhunderts geriet die Heilkunst durch Halbwissen
und Vorurteile in Verruf, in den 1980er Jahren erlebte die Methode
eine Renaissance.
Übrigens: wer in freier Natur plötzlich unfreiwilligen
Körperkontakt mit Blutegeln macht, sollte auf keinen Fall versuchen,
ihn mit Salz zu entfernen. Zuviel Salz kann zum Erbrechen des Egels
führen, wodurch Infektionen ausgelöst werden. Egel-Experte
Daniel Niehues empfiehlt daher eine ganz einfache Methode: "Am
besten man lässt sie so lange saugen, bis sie abfallen."
Am 03.März veranstaltet Daniel Niehues um 19 Uhr in seiner
Praxis , Harkortstraße 3 in Methler, einen kostenlosen Blutegelinformationsabend.
Interessenten werden gebeten, sich vorher telefonisch unter der
Nummer 02307-368182 oder per Email, info@heilpraktiker-kamen.de
anzumelden.
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