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Ruhr Nachrichten 02/05
Titelseite:
Egel im Einsatz
Essen - In einer Essener Klinik werden Arthrose-Patienten
mit Blutegeln behandelt. Laut dem Krankenhaus mit beachtlichem Erfolg:
80 Prozent der Patienten mit Kniegelenksarthrose verspüren
nach einer Behandlung eine Besserung.

Ein Blutegel.
Seite 3:
Blutegel saugt Schmerz weg
Essener Klink behandelt mit Erfolg Arthrose-Patienten / Hilfe auch
bei Tinnitus möglich
Essen - Mit seinem Saugnapf hat sich der schwarz
glänzende Egel gerade an das Knie gepfropft. Jetzt raspeln
seine 240 winzigen Zähnchen durch die Haut. Gleich nimmt er
einen großen Schluck Blut. Marianne Caspar, der das Knie gehört,
beobachtet das kleine Tier dabei interessiert.
Unterdessen setzt ihr Thomas Rampp, Oberarzt der naturheilkundlichen
Ambulanz im Essener Knappschaftskrankenhaus, bereits den zweiten
Egel an. Schmerzen bereitet sein Biss nicht: " Es tut weniger
weh als ein Mückenstich", sagt Marianne Caspar.
"Deutlich gebessert"

Keine Angst vor kleinen Tieren: Marianne Caspar
lässt sich die Blutegel von Oberarzt Thomas Rampp ans Knie
setzen. Der Egelbiss soll die Arthrosebeschwerden der Patienten
lindern.
Die Prozedur hat einen medizinischen Sinn: Die kleinen
Blutsauger sollen die 74-Jährige von ihren Schmerzen im rechten
Kniegelenk befreien - und werden das wohl auch tun: " Im vergangenen
Jahr haben wir in einer Studie gezeigt, dass sich bei 80 Prozent
der Patienten die Kniegelenksarthrose nach einer einzigen Behandlung
deutlich bessert", erläutert Thomas Rampp. Durchschnittlich
sechs Monate lang halte der Effekt an.
Die wissenschaftliche Erklärung dafür: Der Speichel der
Blutegel, der beim Biss in die Wunde gelangt, wirkt schmerzlindernd,
entzündungshemmend und durchblutungsfördernd.
Damit mindert er nicht nur Arthrose im Knie, sondern auch im Daumengelenk.
Außerdem kann der Egel Rheuma-Patienten helfen, Menschen mit
Tennisellbogen, eitrige Hautentzündungen, Krampfadern, Thrombosen
oder Bluthochdruck. Auch bei der Behandlung von Tinnitus - einem
ständigen Pfeifton im Ohr - haben die schwarzen Tierchen schon
gute Arbeit geleistet. Wissenschaftliche Studien zu ihrer Wirksamkeit
in diesem Bereich gibt es allerdings nicht.
"Ich schätze die Erfolgswahrscheinlichkeit auf 60 bis
70 Prozent", sagt Heilpraktiker Daniel Niehues dazu. Viele
Patienten beeinträchtige ihr Tinnitus so sehr, dass sie bei
der Behandlung nach jedem Strohhalm griffen, sagt Oberarzt Rampp.
"Allerdings sind die Egel keine Wundermedizin gegen das Pfeifen
- aber versuchen kann man es immer." Im schlimmsten Fall passiere
schlicht nichts.
Nach einer guten halben Stunde fällt der erste Egel von Marianne
Caspars Knie ab. Sattgetrunken ist er - und bleibt das mit 10 Millilitern
Blut im Bauch bis zu zwei Jahre. Wiederverwendbar ist er nicht -
aus hygienischen Gründen. Eigentlich müsste er deshalb
getötet werden.
Ab in den Teich
"Das können wir aber mit unserer Philosophie
nicht vereinbaren - er hat gerade einer Patientin geholfen",
sagt Thomas Rampp und schmunzelt. "Darum haben wir extra einen
Rentner-Teich gemietet. Da bringen wir ihn jetzt für 50 Cent
unter." Marianne Caspar wird zwei Tage nach seinem Biss tatsächlich
sagen: "Meinem Knie geht es viel besser. In vier Wochen lasse
ich mir noch mal Blutegel setzen - dann ans Linke."
(Autor: Mirjam Stöckel)
Die Kosten einer Blutegeltherapie - zwischen 40
und 120 Euro, je nach Anbieter - werden von den Krankenkassen nicht
übernommen, jedoch von einigen privaten Versicherern. Weitere
Informationen beim Klinikum Essen unter 0201/8055490, bei Heilpraktiker
Daniel Niehues unter Tel. 02307/368182 und bei Allgemeinmediziner
Ralf Fiedler unter Tel. 0231/528414. www.naturheilpraxis-kamen.de
www.tcambulanz-uni-essen.de

Kein Mann im sondern ein Blutegel hinter dem Ohr.
Eine Therapieform, die gegen Tinnitus helfen kann.
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