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Hellweger Anzeiger / Ruhr Nachrichten Kamen,
03/04
Titelseite:
Egel als alternative Behandlungsmethode

Methleraner Naturheilpraktiker schwört auf
den segensreiche Wirkung des kleinen Blutsaugers.
Text im Inneren:

Er saugt und sauft, bis er nicht mehr kann
Methleraner Heilpraktiker schwört auf die segensreiche
Wirkung des Blutegels
"Weniger gefährlich, ja unter Umständen sehr heilsam,
ist der Blutegel (...) Er sauft, wie manche Menschen, so lange,
bis er nicht mehr kann." Wilhelm Busch. Das Exemplar auf Annegret
Abels kann nach 35 Minuten nicht mehr. Auf dreifache Dicke seiner
Ausgangsgestalt aufgebläht, propft der Egel mit einem schmatzenden
Geräusch seinen Saugnapf aus der Probandin und lässt sich,
zum Platzen satt, einfach fallen. Plopp, liegt er auf dem Boden.
Fast meint man, ihn laut und genießerisch rülpsen zu
hören. Mahlzeit. "Ah, er ist satt." Hocherfreut eilt
Daniel Niehues herbei, klaubt den sich windenden Wurm vom Parkett
und versenkt ihn liebevoll in ein wassergefülltes Einmachglas.
"Jetzt geht´s zurück auf die Egel-Farm. Ins Rentner-Becken",
klärt er Annegret Abels auf. Die frisch für Demonstrationszwecke
Angezapfte kann zwar kaum noch ihre Hand rühren, die steckt
bis zu den Fingerknöcheln in einem enormen Verband, unter dem
es hellrot sickert: "Das suppt bis zu 24 Stunden nach",
macht Niehues auf einen Krankenschein hoffen. Doch gibt sich Annegret
Abels, die ausschaut, als hätte sie sich den linken Daumen
abgehackt, munter und quietschfidel. "Tut überhaupt nicht
weh", versichert sie in die schockiert blickende Runde. "Fühlt
sich an wie Nadelstiche." Wie Brennnessel, korrigiert Daniel
Niehues. Der 25-Jährige ist heute am Egel-Vorführ-Abend
in seinem Element. Während seine elf Besucherinnen argwöhnisch
die schlängelnden braunschwarzen Parasiten in den bauchigen
Goldfischgläsern beobachten, lobpreist der junge Alternativmediziner
die segensreichen Wirkungen des Hirudus medicinalis. Außerordentlich
interessant sei der Blutegel, immer für eine Überraschung
gut. Haust im Wasser, erfreut sich robuster Gesundheit aber auch
im artfremden Element; etwa wenn er in freier Wildbahn an ein saufendes
Rind andockt. "Dann fällt er, wenn er satt ist, ja auf
die Wiese", bemerkt eine Besucherin scharfsinnig. Das macht
nichts, meint Niehues unbekümmert. "Dann robbt er eben
so lange herum, bis er wieder Wasser findet." Ihm selbst geht
auch dann und wann ein Egel verlustig, "nach Tagen find´
ich ihn dann auf dem Boden, ganz eingeschrumpelt. Dann werf´
ich ihn ins Wasser, und gleich ist er wieder obenauf." Bloß
alle zwei Jahre mal muss der Egel Essen fassen, stellt sich bei
seinen raren Mahlzeiten allerdings ziemlich pingelig an. "Starke
Raucher z.B. verträgt er gar nicht", weiß Niehues.
Denen verweigert er den Biss. Oder - schlimmer - er langt zu, nimmt
ein paar Schlucke, besinnt sich, was er da Ekliges in sich hineinsäuft,
und kotzt sich spontan aus. "Passiert nicht oft", beruhigt
Niehues. Therapeutisch bedeutsam ist der Speichel, den der Egel
beim Saugen in sein Opfer pumpt. Antibakteriell, entzündungshemmend
und obendrein durchblutungsfördernd, kurieren schon ein bis
zwei Egel-Sitzungen eine ganze Batterie von Wehwehchen, für
die es normalerweise ein OP-Messer brauchte. Furunkel. Krampfadern.
Thrombosen. Arthrosen. Asthma. Offenes Bein. Hodenentzündung
- "das braucht etwas Überwindung." Das medizinische
Multitalent heilt sogar Tinnitus. Sich so einen Egel aber mitten
ins Gesicht zu pflanzen ist nun wahrhaftig nicht jedermanns Sache,
gesteht Niehues - "weil das ja auch Narben gibt." Die
sehen dann aus wie kleine Mercedessterne. Das wäre dann höchstens
für erklärte Daimler-Fans zu vertreten.
Blutegel-Therapie, Infos: Heilpraktiker Daniel Niehues, Tel. 3681
82.
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