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Rundschau Dortmund, 06/04
Heilpraktiker Daniel Niehues setzt auf heilende
Kraft von gezüchteten Blutegeln

Kleiner Ringelwurm beißt sich fest - und verspricht
reinigende Wirkung
Wambel. Alternative Heilmethoden gibt es viele.
Während die Akupunktur mittlerweile aber schon etabliert ist,
muss sich der hilfesuchende Patient an die Blutegeltherapie erst
noch gewöhnen. Dies liegt sicherlich vor allem an dem Hirudo
medicinialis, also dem Blutegel selbst.

Das glibberige, dunkelhäutige und zudem ein wenig ekelig daherkommende
Tier, erinnert von seiner Wendigkeit an einen Regenwurm und von
seinem Erscheinungsbild an eine Nacktschnecke. Die Besonderheit
liegt jedoch im Kopf des Egels: Mit den drei Kieferplatten, die
wie ein Mercedes-Stern angeordnet sind, und den darauf befindlichen
zirka 90 kleinen beweglichen Zähnen (je Platte), beißt
sich der Ringelwurm an der Oberfläche der Haut fest und soll
ab diesem Zeitpunkt heilende Wirkung verbreiten. Hauptsache hierfür
ist der Speichel. Dieser besteht unter anderem aus Calvin, Hirudin
und histaminähnlichen Substanzen. Insgesamt sollen diese Wirkstoffe
die Gerinnung des Blutes hemmen und eine reinigende Wirkung entfalten
sowie antibiotische Wirkung besitzen. Krankheiten, bei denen die
Blutegeltherapie angewendet wird, sind vor allem offene Beine, Krampfadern,
Arthrose undTinnitus. Bei letzterem wird zum Beispiel der Blutegel
direkt am Ohr angesetzt werden, indem der Egel die Blutung anregt
und das Knorpelgewebe wieder aufgebaut werden kann.
Unter Arthrose leidet auch Hedy Winkler. Die 71-jährige Frau
lauschte auch ganz gespannt den Ausführungen von Daniel Niehues.
Der junge Heilpraktiker demonstrierte bei einem Informationsabend
die Art der Anwendung. Studienobjekt war seine Freundin, in deren
Bein sich der Blutegel nach langem Zögern festbiss und genüsslich
voll saugte. Silke Hering merkte nach eigenem Bekunden anfänglich
noch nichts, aber nach kurzer Zeit verspürte sie zumindest
"so ein leichtesZiehen", das einige Sekunden später
zu einem leichten Brennen überging.
Daniel Niehues Liste, mit den erkrankungen, bei denen ein Blutegel
helfen kann, summiert sich exakt auf 39, wobei die drei Punkte am
Ende der Liste auf weitere Erkrankungen hindeuten. Dennoch weiß
auch der Heilpraktiker , dass die Anwendung zurzeit "noch eine
Randtherapie" ist. Diese habe bei seinen Patienten zum größten
Teil aber gewirkt. So seien sowohl die Knieschmerzen von jungen
Fußballern gelindert, als auch die Schmezrne einer 94-jährigen
Arthrosepatientin "besser geworden".
Worüber sich die Patienten aber nach Auskunft des Heilpraktikers
keine Sorgen machen müssen, sind etwaige Infektionsgefahren
durch die Blutegel.
Die Tiere werden auf einer Farm gezüchtet, aufgezogen und nur
einmal am Menschen angesetzt. Danach kommen sie in das "Rentnerbecken",
wo sie wiederum mit Rinderblut gefüttert den Rest ihres Daseins
fristen und sich ihrer guten Tat erfreuen können.
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