Naturheilpraxis Daniel Niehues in Dortmund und Kamen

 

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Blutegelbericht bei WDR
Blutegel

Blutegel; Rechte: WDR

Im Mittelalter wusste man noch nicht viel über die Ursachen von Krankheiten. Man glaubte, üble Säfte würden Menschen krank machen. Die Medizinmänner setzten damals auf recht brachiale Methoden, um diese Säfte wieder aus dem Körper zu vertreiben: Aderlass, Einläufe, Nieß- und Brechmittel - das war gängige Praxis. Und heute interessiert sich die Medizin wieder für manche dieser alten Methoden, zum Beispiel für die Behandlung mit Blutegeln. Und um die geht es heute in unserer Lokalzeit Klinik.

Blutegel; Rechte: WDR

Blutegel sind ekelig anzuschauen - sie winden sich umeinander und fast scheint es als lauerten sie ungeduldig auf Beute. Die Mini-Vampire leben zwar von Blut - doch sie haben nichts schlechtes im Sinn. Im Gegenteil: sie sind eine schwimmende Apotheke. Die kleinen Sauger sind beinahe Allround-Talente - nicht nur beim Menschen, auch beim Tier. Sie kommen vor allem bei Erkrankungen, die durch Durchblutungsstörungen entstehen oder damit einhergehen zum Einsatz, zum Beispiel bei Thrombosen oder Krampfadern. Auch eine deutliche Schmerzlinderung bei Kniegelenksarthrose wurde schon in klinischen Versuchen festgestellt. Aber auch bei Rheuma, Bluthochdruck, Gicht oder Kopfschmerzen sowie in der plastischen Chirurgie wird die Blutegeltherapie eingesetzt. Selbst bei Herzinfarkt und Schlaganfall, Menstruationsstörungen oder Impotenz soll der Biss der kleinen Tiere helfen. Dennoch: ein Wundermittel sind die kleinen Würmer nicht. Bei einigen Patienten ist von einer Anwendung eher abzuraten. Deshalb sollte dem Einsatz der Egel ein Besuch beim Arzt voraus gehen.

Blutegel; Rechte: WDR

Die Blutegel werden speziell für ihren Einsatz am Menschen gezüchtet. Behandelt wird grundsätzlich immer nur eine Körperhälfte und selten werden mehr als 4 Egel gleichzeitig angesetzt. Der Blutegel hat einen vorderen und einen hinteren Saugnapf, mit denen er sich festhält. Erst dann beißt und trinkt er drauflos. Der Biss fühlt sich an wie ein Insektenstich oder die Berührung mit einer Brennnessel. Egel saugen nicht nur, sie spucken auch. Ihr Speichel enthält Stoffe wie Histamin, Hirudin, Destabilase und Hyaluronidase. Diese wirken antibakteriell, gerinnungs- und entzündungshemmend, immunisierend, entkrampfend und antithrombotisch. Schon während des Trinkens beginnt der Egel das Blut zu verdauen: überflüssiges Wasser scheidet er über die Haut aus. Bei Rauchern beißen Egel nur äußerst ungern zu. Auch Parfüm oder heilende Salben schmecken ihnen gar nicht. Das Anpieksen der Stelle, an der das Tier zubeißen soll, kann dann weiterhelfen.


Blutegel; Rechte: WDR

Der Egel lässt sich faul abfallen, wenn er nach 30 bis 60 Minuten genug hat. Er sollte nie vorzeitig und schon gar nicht mit Gewalt entfernt werden, da es sonst zu Entzündungen kommen kann. Beim Saugen nimmt seine Größe fast um das Dreifache zu. Die Bisswunde blutet bis zu 24 Stunden nach. Gerade das ist wichtiger Teil der Therapie. Hieran erklärt sich besonders, warum die Blutegel-Therapie zu den so genannten ausleitenden Verfahren zählt. Ein saugstarker Verband, zum Beispiel mit Damenbinden deckt die Wunde ab.

Blutegel; Rechte: WDR

Die Behandlung mit Blutegeln gilt als weitgehend frei von Nebenwirkungen. Allergische Reaktionen treten äußerst selten auf. Bei einigen Patienten ist nach der Behandlung eine leichte Kreislaufschwäche zu beobachten. Wichtig ist, dass die Therapie sachgerecht angewandt wird. Sie kann mehrere Sitzungen dauern. Für den ersten Biss berechnet der Heilpraktiker oder Arzt rund 40 Euro. Jeder weitere kostet zwischen 20 und 30 Euro. Ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt, sollte jeder Patient vorher abklären.

Blutegel; Rechte: WDR

Jeder Blutegel darf nur ein einziges Mal zubeißen, um zu verhindern, dass er Krankheiten wie Hepatitis oder HIV überträgt. Daher werden hungrige und satte Egel strikt voneinander getrennt. Die Satten gehen später zurück zum Züchter und erhalten dort im so genannten Rentnerbecken ihr Gnadenbrot in Form von Rinderblut. Sie können bis zu 27 Jahren alt werden und sind dabei außerordentlich genügsam: mit einer einzigen Blutmahlzeit überleben sie 2 Jahre. Blutegel können übrigens in Deutschland immer noch in freier Natur in klaren Bächen und Teichen vorkommen. Sie stehen unter Artenschutz. Ihr nächster Verwandter ist der Regenwurm.

 

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